Presseberichte Kolumbien


20.11.2018 - Fast 400 Gemeinden droht das Wasser auszugehen
Geschrieben von: Blickpunkt Lateinamerika (Adveniat)   
Dienstag, den 20. November 2018 um 00:00 Uhr
Kolumbiens Umweltministerium und das Instituto de Hidrología, Meteorología y Estudios Ambientales (IDEAM) haben den Bericht gemeinsam vorgestellt. Die in diesem enthaltenen wissenschaftlichen Erkenntnisse sollen einen Beitrag zu Entwicklung und Produktivität des Landes leisten. Die Studie erscheint seit dem Jahr 2010, öffentlich präsentiert wurde der Bericht allerdings zuletzt vor vier Jahren. Der Tenor lautet: Die Lage Kolumbiens hinsichtlich des Wassers wird immer prekärer.

391 Gemeinden im ganzen Land drohe das Wasser auszugehen, den Menschen stehe generell immer weniger davon zum Verbrauch zur Verfügung. 2014 hatte das Risiko noch für 318 Gemeinden bestanden. Die inzwischen betroffenen Gemeinden befinden sich in 24 der 32 Departamentos Kolumbiens. In der Karibik-Region gibt es einige Gemeinden, deren nahezu gesamte Fläche bedroht ist. Kolumbiens Umweltminister Ricardo Lozano zufolge bleiben der Millionen-Metropole Cartagena acht Jahre, um das Problem der Wasserversorgung zu lösen.

El Niño aufgrund menschlicher Eingriffe noch verheerender

Die Gründe für die Entwicklung sind vielfältig, je nach der natürlichen Beschaffenheit der jeweiligen Region, eine wichtige Rolle spielt aber das Klimaphänomen El Niño. Kolumbiens Pazifik- und Amazonasregion verfügen über die größten Wasserressourcen, in der Karibikregion und in den Anden dagegen gab es schon immer weniger Wasser. El Niño wirkt sich aufgrund von Eingriffen des Menschen in die Natur wie der Abholzung von Bäumen noch verheerender aus. Ohnehin knapper Regen fällt in der Folge noch weniger. Die Wurzeln der Bäume aber dienen als Wasserspeicher ein Teufelskreis. Kommt es dann einmal zu Starkregen, so werden große Mengen an Erde weggespült.

Dem Bericht zufolge sind 3,2 Millionen der rund 50 Millionen Kolumbianer von Überschwemmungen bedroht vor allem in den Becken von Amazonas und Orinoco. An sich wären die Überschwemmungen kein großes Problem, doch umfassende Eingriffe des Menschen in die Natur haben drastische Folgen für das Abfließen des Wassers.

Gletscher drohen vollständig zu schmelzen

Dramatisch ist auch die Lage von Kolumbien Gletschern, die ganz zu verschwinden drohen - wie in Venezuela. 2016 / 2017 schmolzen 2,5 Quadratkilometer, das sind 6,4 Prozent der Gesamtfläche. Innerhalb von zehn Jahren gingen 22 Prozent verloren, so viel wie im Zeitraum 1950 bis 1970. Umweltminister Lozano bezweifelt, dass Kolumbien 2050 noch über Gletscher verfügen wird. Geringere Niederschläge und der Temperaturanstieg in den Anden fordern ihren Tribut. (bs)

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16.11.2018 - Studentenproteste für mehr Bildungsausgaben
Geschrieben von: Blickpunkt Lateinamerika (Adveniat)   
Freitag, den 16. November 2018 um 00:00 Uhr

In Kolumbien demonstrieren Studenten seit Tagen für höhere Bildungsausgaben für staatliche Universitäten. Landesweit gingen am Donnerstag, 15. November 2018, tausende junge Menschen auf die Straßen, berichten lokale Medien über den vorläufigen Höhepunkt der Studentenproteste. Von der Regierung des konservativen Präsidenten Iván Duque fordern sie seit sechs Wochen mehr Geld für den öffentlichen Bildungssektor.

?Das war eine erfolgreiche und friedliche Demonstration, trotz des Eingreifens der Polizei an einigen Orten?, erklärte die Studentenaktivistin Jennifer Pedraza gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. ?Wir fordern die Zentralregierung zu mehr Offenheit für Gespräche mit uns auf, sie soll ihre Unnachgiebigkeit endlich aufgeben?, so Pedraza. Präsident Duque lehnt bisher direkte Gespräche mit den Studierenden ab und verweist auf die Bildungsministerin María Victoria Angulo.

Kolumbiens staatliche Hochschulen sitzen derzeit auf einem Investitions- und Ausgabendefizit von 5,69 Milliarden US-Dollar. Der Haushalt für 2019 sieht Bildungsausgaben in Höhe von 12,59 Milliarden US-Dollar vor, rund 16 Prozent des Gesamthaushaltes. Die Proteste richten sich auch gegen ein derzeit im Kongress debattiertes Haushaltsgesetz der Regierung, das Steuersenkungen für Unternehmen, Steuererhöhungen für Mittel- und Oberschicht und höhere Abgaben für Lebensmittel vorsieht. (bb)

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23.10.2018 - Kokain statt Kaffee?
Geschrieben von: Blickpunkt Lateinamerika (Adveniat)   
Dienstag, den 23. Oktober 2018 um 00:00 Uhr

Für ihre Warnung hatten sich Kolumbiens Präsident Ivan Duque und sein Amtskollege Juan Orlando Hernandez aus Honduras einen symbolischen Platz ausgesucht. Auf einer Finca in Quimbaya mitten im Herzen der kolumbianischen Kaffeezone sprachen die beiden Politiker vor ein paar Tagen über eines der drängendsten Probleme ihrer Heimatländer.

Wegen des niedrigen Kaffeepreises seien rund 90.000 Familien in Gefahr in extreme Armut abzurutschen, warnte Orlando Hernandez anschließend. Während in Honduras die Armut zu einer verstärkten Migrationsbewegung führt, droht in Kolumbien eine andere Gefahr.

Aufschrei der Bauern

"Unsere Lage ist verzweifelt", sagte Roberto Velez, Sprecher der kolumbianischen Bauern vor ein paar Tagen und bat die großen Kaffee-Unternehmen um Hilfe. Dies wäre auch im eigenen Interesse, so Velez weiter, denn immer mehr Kaffeebauern liebäugelten mit einem Wechsel zum zwar illegalen aber deutlich lukrativeren Koka-Anbau. Das Treffen sollte nur der Auftakt zu einer konzertierten Aktion sein. Mit einem offenen Brief wandten sich die Vertreter der Kaffeebauern aus 30 Ländern in Lateinamerika, Asien und Afrika direkt an Konzerne wie Starbucks oder Nestle und warnten vor einer "sozialen Katastrophe".

Die aktuellen Preise reichten vielerorts nicht einmal aus, um die Produktionskosten zu decken. Die Existenz der Familien der Kaffeebauern und -pflücker sei gefährdet. Tatsächlich ist trotz des ausgehandelten Friedensvertrages mit der ehemaligen Guerilla-Organisation FARC die Kokain-Produktion in den letzten beiden Jahren deutlich angestiegen. Die USA und auch Europa registrieren eine Zunahme der Kokain-Lieferungen. In Kolumbien ist die Lage ohnehin angespannt: Weil wegen der katastrophalen Lage im Nachbarland Venezuela in den letzten zwei Jahren rund eine Millionen Menschen nach Kolumbien geflohen sind, wachsen die sozialen Spannungen. Die Kaffeepreiskrise erwischt das Land auf dem falschen Fuß.

Blick auf die Kaffeepreise

Im kolumbianischen Kaffeedreieck Armenia, Pereira und Manizales blicken die Kaffeebauern bereits früh morgens auf die Bildschirme der Nachrichtensendungen. Wo andernorts Aktienkurse verkündet werden, erfahren die Kolumbianer hier die aktuellen Kaffeepreise auf dem Weltmarkt. "Die Stimmung ist gedrückt", berichten lokale Zeitungen. Die Menschen haben Angst, weil es einfach nicht aufwärts geht mit den Preisen. Dabei ist die Arbeit an den steilen Berghängen nicht nur gefährlich, sondern auch körperlich sehr anstrengend. Den Gewinn aber streichen andere ein.

Während die Kaffeepreise für einige Sorten jüngst neue Tiefststände erreichten, melden die Konzerne dagegen satte Gewinne. Tchibo konnte 2017 den Gewinn von 34 Millionen auf rund 199 Millionen Euro steigern. Starbucks legte im ersten Umsatz-Quartal 2018 im Jahresvergleich um starke 14 Prozent auf 6,0 Milliarden Dollar (5,0 Milliarden Euro) zu. Der Gewinn stieg auf 660 Millionen Dollar. Gleichzeitig stürzten die Kaffeepreise ab: Im November 2016 kam die Sorte "Arabica kolumbianisch mild" noch auf 177,85 Cent je Pfund, im September 2018 lag der Preis nur noch bei 125,74 Cent. Ein Absturz um 25 Prozent. Insgesamt erreichten einige Kaffeesorten den tiefsten Stand seit über einem Jahrzehnt. Die Gründe dafür sind große Erntemengen aber auch Spekulationen an den Börsen.

Kritik der NGOs

"Der Verfall der Weltmarktpreise für Kaffee ist nicht neu, deshalb hat die Abwanderung in den Koka-Anbau in Kolumbien längst begonnen. Denn die Kaffeepreise liegen unter den Produktionskosten. Die Existenz von Millionen Kleinbauern ist dadurch bedroht. Gleichzeitig verzeichnen Kaffeegiganten Milliardengewinne. Das ist ein Skandal", sagt Pater Michael Heinz vom Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat im DW-Gespräch. "Fairer Handel ist eine Antwort auf den ungerechten Welthandel. Es muss aber auch politischer Druck auf multinationale Konzerne ausgeübt werden", sagt Heinz, der den Friedensprozess in Kolumbien aus nächster Nähe verfolgt. Die Kritik der Erzeugerländer und der NGOs zeigt bereits erste Wirkung. Starbucks spendete zuletzt 20 Millionen US-Dollar Soforthilfe an die Kaffeebauern in Mittelamerika. Ein Tropfen auf den heißen Stein, der an den Ursachen der Schieflage in der Wertschöpfungskette nicht wirklich etwas ändert.

Quelle: Deutsche Welle, Autor: Tobias Käufer

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11.10.2018 - UN-Kritik: Ex-Guerilleros finden keine Arbeit
Geschrieben von: Blickpunkt Lateinamerika (Adveniat)   
Donnerstag, den 11. Oktober 2018 um 00:00 Uhr

Die große Mehrheit der rund 13.000 Ex-Kämpferinnen und Kämpfer der einstigen kolumbianischen FARC-Guerilla haben nach Angaben der Vereinten Nationen „keine klaren wirtschaftlichen Perspektiven außerhalb ihrer monatlichen Unterstützung“, so ein UN-Bericht vom Mittwoch, dem 10. Oktober 2018. Das ungelöste Problem der Eingliederung in den Arbeitsmarkt sei ein „sehr besorgniserregendes Thema“, zitieren lokale Medien Jean Arnault, Chef der UN-Mission in Kolumbien.

Die soziale Absicherung der Ex-Guerilleros ist ein wichtiger Bestandteil des Friedensvertrages zwischen FARC und dem kolumbianischen Staat. Die Vereinten Nationen sollen die Einhaltung des Abkommens überwachen. Ende 2019 enden die für die Ex-Guerillakämpfer ausgehandelten Rentenansprüche in Höhe von monatlich rund 200 US-Dollar, warnt die UN. Die Regierung von Präsident Iván Duque müsse dafür sorgen, dass der Arbeitsmarkt, die Privatwirtschaft und das Bildungssystem die demobilisierten Kämpfer „langfristig“ einbinden.

Schließlich brachte Arnault seine Sorge über die Sicherheitslage von Ex-FARC-Mitgliedern an, hier müsse die Regierung „die staatlichen Institutionen zur Verhinderung und Verfolgung solcher Kriminalität in Bewegung setzen“. Die zur Partei gewordene FARC lobte der Diplomat für ihre „positive Vision“, acht von zehn Politikern in beiden Parlamentskammern würden ihrer Verantwortung gerecht werden und „tragen in beiden Gremien zur Debatte und Gesetzgebungsaktivitäten bei“. (bb)

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19.09.2017 - Lokales Friedensabkommen in Unruheprovinz Chocó
Geschrieben von: Blickpunkt Lateinamerika (Adveniat)   
Dienstag, den 19. September 2017 um 00:00 Uhr

In Quibdo, der Hauptstadt der bettelarmen kolumbianischen Unruheprovinz Choco, haben bewaffnete Banden und die Stadtverwaltung ein lokales Friedensabkommen geschlossen. Unter Vermittlung der katholischen Kirche unterzeichneten beide Seiten nach einem Bericht des Senders "La FM" am Montag, 18. September 2017 (Ortszeit), eine entsprechende Erklärung im Beisein von Vertretern der Zivilgesellschaft.

 

Während sich die öffentliche Hand bereit erklärte, in soziale Projekte und Arbeitsplätze zu investieren, wollen die bewaffneten Banden ihre Waffen niederlegen und mit den Sicherheitskräften kooperieren. Zugleich soll es einen Straferlass geben.

 

Mit dem Abkommen soll nach Willen von Quibdos Bürgermeister Isaias Chala der "Fluss des Blutes" gestoppt werden. So hatte Quibdos Bischof Juan Carlos Barreto in einem Brief an die Regierung des südamerikanischen Landes die ausufernde Gewalt in der überwiegend von Afrokolombianern bewohnten Stadt beschrieben.

 

Quelle: KNA

 

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