04.12.08 - Eine Blume auf dem Weg der Hoffnung

Gäste der Stiftung aus Kolumbien berichten in Mainaschaff über Hilfsprojekte in Villavicencio

Mainaschaff : "Was unserer Familie erleiden musste, trifft in Kolumbien so viele Familien", erzählt Flor Rodriguez Ordonez ihren Freunden in Deutschland und während sie die Worte sucht, versagt ihr fast die Stimme. Flor (übersetzt: Blume) ist bis 13. Januar zu Besuch bei der Stiftung Weg der Hoffnung in Deutschland und berichtet am Sonntag in der Mainaschaff über Hilfsprojekte der Stiftung in Kolumbien.

Flor

Interview im Elendsviertel: Flor Rodriguez Ordonez (links) kümmert sich in Kolumbien um arme Familien. Ihre Nöte kennt sie aus eigener Erfahrung.

Flor war vom verstorbenen Stiftungsgründer Pfarrer Josef Otter mit ihren fünf Geschwistern im Kinderheim aufgenommen worden, weil die Familie inmitten des von der Guerilla umkämpften Gebiets von Armut und Bürgerkrieg betroffen war.

Zum Guerillakampf gezwungen Flors jüngste Schwester wurde mit 13 Jahren von der Guerilla acht Jahre lang zum Kämpfen gezwungen. Als sie verletzt war, wurde sie ausgesetzt. Ihre ältere Schwester ist seit neun Jahren verschwunden. Der einzige Bruder wurde vergangenes Jahr erschossen.

Trotzdem ist Flor das Lächeln nicht vergangen. Sie hat studiert und arbeitet heute als Sozialpsychologin für die Stiftung, geht in Elendsviertel und nimmt die ärmsten Kinder in die Stiftungsheime auf. Sie betreut derzeit auch 170 Kinder, die dank der Spenden aus Deutschland eine Schule besuchen. In Kolumbien darf nämlich nur zur Schule gehen, wer Uniform und Ausstattung bezahlen kann. So helfen viele Schulen, darunter die Carl-Amberg-Schule Alzenau, den Kindern den Ausbruch aus dem Elend zu ermöglichen. Neben der Begleitung der Kinder bei Hausaufgaben und Schulproblemen arbeitet Flor auch in Kursen für die Eltern, die oft Analphabeten sind. Mit Flor ist Schwester Dora Cecilia Ramos nach Deutschland gekommen. Sie arbeitet in einem anderen Projekt der Stiftung mit 15 jungen, behinderten Erwachsenen zwischen 15 und 39 Jahren.

Die Behinderten werden in den Elendshütten tagsüber oft einfach weggesperrt und sich selbst überlassen. Dies geschieht nicht einmal aus bösem Willen, sondern weil die Eltern mit dem Sortieren von Müll, mit Straßenverkauf ihr Überleben sichern müssen. In Schwester Doras Projekt lernten die Behinderten Brotbacken und Kunstkarten zu basteln. Die Stiftung kauft nun das Brot für fast 1000 Kinder ihrer Heime in der Werkstatt und ermöglicht so den Behinderten aus eigener Kraft zu überleben.

In ihrem Projekt ist auch William. Er musste als Kind beim Spielen erleben, dass neben ihm Bomben einschlugen, Erschossene lagen. Das hat ihn so traumatisiert, dass er die Sprache verlor. Im Projekt hat er seine sportlichen Fähigkeiten entdeckt. In den paraolympischen Spielen hat er bis auf Landesebene Gold- und Silbermedaillen gewonnen. Heute kann er wieder reden und lachen. red Vortrag mit Musik von Panflötenkünstler Samara am Sonntag, 7. Dezember, um 16 Uhr in der Maintalhalle Mainaschaff.