11.12.08 - Mehr Kindern ein neues Leben

Kolumbianische Gäste berichten in Mainaschaff über ihre Arbeit in den Elendsvierteln

Mainaschaff: Fast hätte Flor Rodriguez aus dem kolumbianischen Villavicencio nicht zum Kolumbien-Nachmittag der Stiftung Camino de la Esperanza in der Mainaschaffer Maintalhalle kommen können. Die Deutsche Botschaft in Bogota wollte der 26-Jährigen kein Visum ausstellen.

Vielleicht habe man die junge Frau in der Botschaft gesehen und ihr unterstellt, in Deutschland bleiben zu wollen, sagte Stiftungsvorsitzender Wolfgang Hock. Bundestagsabgeordneter Norbert Geis (CSU) habe schließlich geholfen und so konnte Flor als Leiterin des Schulprogramms der Stiftung über ihre Arbeit in Kolumbien berichten.

Flor Rodriguez erzählt vom Lächeln der Kinder, zum Beispiel vom Glück der dreijährigen Juliana. Mit den Eltern von deren kleinen Bauernhof vertrieben, war Juliana unterernährt, litt an Blutschwäche und hatte Probleme beim Lernen. Da die Eltern ihre drei Kinder nicht ernähren konnten, trieb sich Juliana verwahrlost auf der Straße herum. Seit einigen Monaten wird sie im Heim der Stiftung betreut. Sie habe sich zu einem fröhlichen Kind entwickelt, sagt Flor Rodriguez.

Auch der 14-jährige Walter sei glücklicher, seit drei Jahren lernt er im Stiftungs-Internat. Zuvor verbrachte er seine Tage an Ampeln, wo er den haltenden Autofahrern Feuerzeuge und andere Kleinigkeiten verkaufte. Sein Vater ist dem Alkohol verfallen, die Mutter sitzt wegen Drogenhandels im Gefängnis.

Die neunjährige Erika hat vier Geschwister, ihr Vater ist verschwunden. Der Stiefvater habe Erika missbraucht, so Rodriguez. Weil das Mädchen auf die Brüder aufpassen musste, ging es nicht zur Schule. Heute wird Erika psychologisch betreut und besucht den Unterricht.

Flor berichtet in Mainaschaff, wie die Stiftung bereits mit Kinderheimen, Internat und Schulbauernhof wirkt. Sie wirbt für weitere Hilfe bei dem meist älteren Publikum: Jede Spende ermögliche einem Kind ein neues Leben.

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Mit Flor Rodriguez ist Schwester Dora Ramos nach Deutschland gekommen. Für die Stiftung Camino de la Esperanza koordiniert sie die Behinderten-Werkstatt, die Bäckerei und den Ladenverkauf. Als Ordensschwester der Töchter Jesu verzichtet die 41-Jährige auf den Habit. Im schwingenden rosa Rock zeigt sie dem Publikum mit Flor einen getragenen kolumbianischen Tanz, eine "Cumbia".

Mainaschaffs Bürgermeister Horst Engler lobt die Stiftung für den "hohen Wirkungsgrad bei der Verwendung von Stiftungsgeldern". Für den Camino de la Esperanza könne man ruhigen Gewissens spenden. "Jeder Cent geht nach Kolumbien", versichert Stiftungsvorstand Hock. Das Engagement hiesiger Mitarbeiter sei ehrenamtlich, die einzige Kosten liefen für Porto auf, dies trage der Vorstand.

Auch für die Flüge von Flor und Schwester Dora habe man Sponsoren gefunden: Einen Flug spendierte das Nord-Süd-Forum, den zweiten deckte das katholisch Forum zum Partneraustausch. Der deutsche Paketdienst, so Hock, sponsere seit Kurzem den jährlichen Rundbrief der Stiftung. Diese Kostenersparnis ermögliche die Aufnahme von weiteren 30 Kindern im Schulprogramm. Die Initiative Aschaffenburger Partnerkaffee überreichte der Stiftung einen Scheck über 10 000 Euro.

Die Stiftung ist das Lebenswerk des im vergangenen Jahr verstorbenen Pfarrers Josef Otter. Vor 35 Jahren hatte er sich von Gewalt und Gefahr in Kolumbien nicht schrecken lassen und in Villavicencio angesiedelt. Mainaschaff hat eine Straße nach ihm, eine andere nach der Stiftung benannt. Als Überraschung hat der kolumbianische Maler Javeth ein übergroßes Portrait angefertigt und bei der Feier überreicht. Eine kleine Ausstellung zeigte Javeths Werke. Der französische Panflötenkünstler Samara sorgte mit Frau Odile für passende Musik. (Nina Körner)