Behindertenarbeit

Liebevoll nennen unsere Mitarbeiter unsere Kinder und Jugendlichen mit einem körperlichen oder geistigen Handicap "niños especiales", "besondere Kinder". Sie benötigen besonders viel Aufmerksamkeit, Zuwendung und Liebe.

In unseren zwei Kindertagesstätten in den Armenvierteln La Reliquia und Porfía sind unsere behinderten Kinder bereits seit vielen Jahren in die Kindergruppen integriert. Ein einmaliges Konzept der Inklusion in Kolumbien. Nebenher erfahren sie je nach ihren Bedürfnissen eine Förderung durch Physiotherapie, Krankengymnastik, Sprachförderung oder psychologische Behandlung (nähere Infos dazu unter den jeweiligen Einrichtungen).

Unsere älteren Behinderten konnten aber nicht für immer in diesen Einrichtungen bleiben. So entstand die Idee, sie in behütete Werkstätten zu integrieren. Bisher sind drei Projekte entstanden, die diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufnehmen und ihnen eine sinnvolle Beschäftigung und Förderung bieten wollen:
- Mikrokooperative José Otter
- Bäckerei Manos amigas
- Schreinerei Bambuswerkstatt

Mikrokooperative José Otter

In dieser beschützenden Werkstatt finden 50 Jugendliche mit Behinderung Aufnahme. Benannt wurde die Einrichtung nach unserem Stiftungsgründer Pfr. Josef Otter, denn ihm lagen diese Kinder und Jugendlichen besonders am Herzen.

In der Werkstatt stellen die Jugendlichen Postkarten, Rosenkränze und vielfältige kleine Handarbeiten her. Sie verkaufen die Waren vor Ort, aber auch in Deutschland bieten wir sie immer wieder an. So erwirtschaften sie sich ein kleines Taschengeld. Ihre Arbeit gibt ihnen Bestätigung und ihrem Leben Würde. Besonders stolz sind sie, wenn sie damit etwas zum Lebensunterhalt ihrer Familien beitragen können. Denn alle stammen aus ärmsten Verhältnissen.

Daneben erfahren sie auch Förderung je nach ihren Bedürfnissen. Die Freude ist auch immer groß, wenn unsere Mitarbeiter zu Spiel, Sport und Tanz einladen.

Behindertenbäckerei Manos amigas

Seit 2007 können unsere behinderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Ausbildung zum Bäcker machen. Mit Hilfe der Deutschen Botschaft konnte die Backstube eingerichtet werden.

Die Jugendlichen backen Brot, Kuchen und Torten. Die Stiftung kauft alle Backwaren, die in unseren Einrichtungen benötigt werden, bei ihnen. Inzwischen hat sich die gute Qualität der Produkte herumgesprochen. Viele Restaurants und Geschäfte lassen sich beliefern. Auch die Diözese Villavicencio und die Pastoral Social (Caritas) bietet in ihren Projekten Brot und Gebäck unserer Jugendlichen an. In einem Ladenlokal verkaufen sie ihre Waren über die Straße.

Die Jugendlichen verwalten die Kooperative selbst. Sie entscheiden mit ihrem Koordinator eigenständig über Investitionen, neue Produkte oder die Aufnahme weiterer Jugendlicher. Geleitet wird die Bäckerei von einem gewählten Vertreter der Jugendlichen und dem Koordinator Andrés Ceballos, der selbst in unseren Einrichtungen aufgewachsen ist. Er betreut die Jugendlichen liebevoll und sucht immer wieder nach neuen Absatzmöglichkeiten für ihre Backwaren.

35 Jugendliche können bereits von ihrer Arbeit leben und erhalten ein kleines Gehalt. Wie in unseren anderen Behinderteneinrichtungen kommt aber auch hier die individuelle Förderung, Spiel, Spaß und Tanz nicht zu kurz.

Schreinerei Bambuswerkstatt

In einer kleinen beschützenden Schreinerei stellen unsere behinderten Jugendlichen Kunsthandwerk aus Bambus her. Die Idee kam von unseren Mitarbeitern aus der Behindertenarbeit, da für diese Produkte eine Nachfrage besteht.

Unsere Freunde vom Verein Kolumbienhilfe in Mülheim und von Kinder in die Mitte haben diese Werkstatt finanziert. Diese Organisationen, mit denen wir bereits seit vielen Jahren verbunden sind, spendeten die Erstausstattung mit Kreissäge, Werkzeugen und Werkbänken. Die Maschinen eignen sich aber zur Verarbeitung aller Arten von Holz. Die behütete Werkstatt bietet so die Möglichkeit zu vielen weiteren Entwicklungschancen.

20 Jugendliche können jetzt aus diesem Naturstoff, der vor Ort nachwächst, kleine Kunstwerke herstellen. Sie finden in Villavicencio einen guten Absatz. Für diese körperlich und geistig behinderte junge Menschen eröffnet sich jetzt die Möglichkeit, handwerkliche Begabung zu entdecken. Und was noch wichtiger ist: Plötzlich schaffen diese an den Rand gedrängten Menschen kleine Kunstgegenstände, sehen ihre Kreativität und entdecken ihre eigene Würde. Ein kleiner Schritt weiter auf unserem Weg der Hoffnung.