27.11.2010 - „Fest der Sinne“ im Eine-Welt-Laden - Stiftung „Weg der Hoffnung“ Kolumbien
Geschrieben von: Main-Post   
Samstag, den 27. November 2010 um 21:15 Uhr

Bad Neustadt - Zu einem „Fest der Sinne“ lud der Eine-Welt-Laden ins Alte Amtshaus der Kreisstadt ein. Die Gäste erlebten einen kurzweiligen Informationsabend über das Projekt „Camino de la Esperanza“ (Weg der Hoffnung) im kolumbianischen Villavicencio. Die von Pfarrer Otter gegründete Initiative wird durch den Verkauf des Partnerkaffees in Bad Neustadt unterstützt. Gäste aus Kolumbien erzählten auf unterhaltsame Weise aus ihrem Leben, ein Paar zeigte typische temperamentvolle Tänze des Landes. Seit vielen Jahren unterstützt die Aktion „Eine Welt Bad Neustadt e.V.“ die Stiftung „Weg der Hoffnung“ in Villavicencio in Kolumbien. Mit jedem verkauften Päckchen Bad Neustädter Partnerkaffee wird nicht nur dem Kleinbauern dort angemessen geholfen. Mit dem Preis unterstützt der Käufer gleichzeitig auch mit einem Solidarbeitrag von 1,28 Euro je Kilogramm Kaffee ein Hilfsprogramm, das sich hauptsächlich für arme Kinder und Jugendliche einsetzt.

 

Mit Alejandra Reina und Andres Ceballos kamen zwei junge Kolumbianer nach Bad Neustadt. Beide wuchsen in Heimen der Stiftung auf, durften zur Schule gehen und eine Ausbildung absolvieren. Heute arbeiten sie als Erzieher mit den ärmsten Kindern aus den Elendsvierteln. Die beiden Gäste aus Kolumbien erzählten auf unterhaltsame Weise aus ihrem Leben. Auch führen sie den Besuchern typisch kolumbianische Tänzen wie „Joropo“ und „Cumbia“ vor, bei der Mutige auch mitmachten.

 

Die Stiftung wurde vor über 30 Jahren von Pfarrer Otter (Padre José) aus Mainaschaff gegründet. Er starb im Jahr 2006, seine Initiative wird heute von Wolfgang Hock (Aschaffenburg) fortgeführt. Kolumbien gilt als „grausam schön“. Die Stiftung setzt sich für Kinder, die verletzlichsten Opfer des schon fast einem halben Jahrhundert währenden Bürgerkriegs zwischen Militär und Guerilla ein, für ihr Überleben, ihre Bildung und Entwicklung. Statistisch leben fast 70 Prozent der Kolumbianer in Armut, jeder vierte in absoluter Armut, berichtete Hock in seinem kurzweiligen Vortrag. Es gibt drei Millionen Vertriebene im eigenen Land, 30.000 Menschen sterben jährlich an Kriegsfolgen. „Hinter diesen Zahlen steckt unsagbares Leid.“ In zwei Kindertagesstätten mitten in den Armenvierteln erhalten mehr als 550 Kinder aus größter Not Nahrung, Kleidung, Gesundheitsversorgung, Zuwendung und Förderung. Sie zählen zwischen sechs Monaten bis sechs Jahre, es sind geliebte Kinder, fasste Hock zusammen. Und es ist ein Weg der Hoffnung auch für die Allerärmsten. Denn in den Kinderheimen dort finden neben den gesunden derzeit auch 120 behinderte Kinder Aufnahme, Pflege und Versorgung.

 

Kinder aus Flüchtlingsfamilien kommen oft nur mit dem nackten Leben davon, die Stiftung sorgt für Schulbesuch und Bildung. „Das Alphabet und das Einmaleins haben mehr Menschen vor dem Hunger bewahrt, als alles, was der Mensch sonst noch für sie erfunden hat.“ Aus dem anfänglich bescheidenen Programm sind inzwischen zwei Stiftungen hervorgegangen, die kolumbianische Stiftung „Camino de la Esperanza" und die deutsche Stiftung „Weg der Hoffnung". Letztere finanziert ausschließlich aus Spendengeldern die Projekte der kolumbianischen Stiftung. „Unser Handeln hat Folgen“, freut sich Clara Maiwald, derzeit zweite Sprecherin des Eine-Welt-Ladens in Bad Neustadt. Das Gebot der Stunden sei es, fair zu handeln, regional zu wirtschaften und dabei global zu denken. Jährlich verkauft der Eine-Welt-Laden in Bad Neustadt über 600 Kilogramm Kaffee. Nicht von ungefähr hat der Eine-Welt-Laden bereits einen Umweltpreis der Stadt Bad Neustadt erhalten. Die Menschen sollten weg von der grassierenden „Geiz ist geil - Mentalität“. „Es kann nicht immer nur alles billiger werden, egal wie und auf wessen Rücken.“ Wenn einer alleine träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit, so die Hoffnungen der Mitarbeiter im Eine-Welt-Laden vor Ort.

 

Der Partnerkaffee habe nebenbei nicht nur einen vollen und kräftigen Geschmack, auch sei er durch Langzeitröstung sehr bekömmliche. Der Konsument könne sich darauf verlassen, dass der Kaffee völlig unbelastet von Pestiziden sei. Dem Kaffeebauern garantiere er ein gesünderes Leben und unser aller Welt den Schutz von Boden, Wasser und Luft, versichern Maiwald und Ilse Buchta als derzeit erste Sprecherin des Eine-Welt-Ladens. „Der Kaffee ist seit Jahren Bio und Fair.“ Wer helfen möchte, Spenden sind möglich unter Kontonummer 97.20.00 und Kontonummer 20.20.10 bei der Sparkasse Aschaffenburg, Bankleitzahl 795.500.00 sowie bei der Raiffeisenbank Aschaffenburg, Kontonummer 84.84.84, Bankleitzahl 795.625.14 und bei der Sparkasse Miltenberg-Obernburg, Kontonummer 43.00.273.00, Bankleitzahl 796.500.00.+++(ger)