Politische Situation

Bürgerkrieg seit über vier Jahrzehnten

 

Seit über vier Jahrzehnten tobt im Land ein Krieg, in dem sich zwei linksgerichtete Guerilla-Gruppen, die Armee und rechtsgerichtete paramilitärische Einheiten gegenüberstehen.
Das Problem: Die ideologischen Unterschiede zwischen links und rechts sind längst verwischt: Es geht um Geld aus dem Drogengeschäft, Geld, das für den Sold der eigenen Kämpfer verwendet wird. 20.000 bis 25.000 Guerilleros stehen fast ebenso vielen Soldaten der Paramilitärs gegenüber. Die Bevölkerung ist die Geisel: täglich werden Menschen entführt (ein lukrativer Erwerbszweig), täglich sterben Dutzende von Menschen, umgebracht, weil sie verdächtigt wurden, Anhänger der jeweils anderen Seite zu sein. In den letzten vier Jahrzehnten sind mehr als zwei Millionen Menschen Vertriebene im eigenen Land. Der Staat ist nicht präsent. Weder als Ordnungsmacht, weder als Schutz- noch als Verwaltungsstaat. Es gibt Zonen, die werden vollkommen von der Guerilla oder den Paramilitärs beherrscht.

Wirtschaftsfaktor Kokain

 

Die Macht im Staat ist aufgeteilt unter einigen wenigen großen und reichen Familien. Bis vor wenigen Jahren boomte trotz des Konfliktes die Wirtschaft. Mittlerweile gibt es aber auch hier mehr als deutliche Anzeichen für einen Zerfall. Zunehmend wandert die geistige und wirtschaftliche Elite aus, mit fatalen Folgen für die zukünftige Entwicklung. Kolumbien ist das Hauptanbaugebiet von Kokain und somit auch eines der Hauptländer des organisierten Verbrechens: Auch wenn die großen Kartelle verschwunden sind, der Handel funktioniert nach wie vor - mittlerweile ist er dezentral organisiert.

Drogenbekämpfung und Kolumbianisierung der Nachbarländer

 

Mit dem "Plan Colombia" und mit Milliarden-Beträgen versuchen die USA den Koka-Anbau durch sogenannte Sprühaktionen zu minimieren. De facto aber fließt sehr viel Geld in die Ausbildung und Ausstattung des kolumbianischen Militärs und damit die Bekämpfung der Guerilla. Fatale Folge: Es gibt Verdrängungseffekte: Guerilla, Drogenbauern und auch Paramilitärs weichen in Nachbarländer wie Ecuador, Panama und Venezula aus und tragen zu einer fortschreitenden Kolumbianisierung, sprich Destabilisierung der Region bei. Zweiter fataler Nebeneffekt: Das Militär fühlt sich durch die US-Unterstützung mittlerweile stark genug, den Konflikt im Land gewaltsam zu beenden. Eine möglicherweise verhängnisvolle Fehleinschätzung. Die Bereitschaft zu Friedensgesprächen im Land sinkt. Der "Plan Colombia" hat insgesamt den Konflikt eher verschärft denn vermindert.

(entnommen aus http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID575008,00.html Stand:06.05.03)