Verlauf des bewaffneten Konfilkts

Die bis heute währenden Auseinandersetzungen finden ihren Ursprung schon weit in der kolumbianischen Geschichte. Seit der Unabhängigkeit des Landes gab es mehrere Bürgerkriege, die, neben Konflikten um die Landfrage, aus den traditionellen Rivalitäten zwischen liberaler und konservativer Partei resultierten.

Wichtige Daten im Konflikt sind:

  • 1899-1902 Krieg der Tausend Tage, gewaltsame Aneignung von Kleinbauernland durch Großgrundbesitzer im Zuge des Kaffeebooms mit geschätzten 100.000 Opfern in den Mittleren Anden
  • 1928 Arbeitskampf auf den Bananenplantagen der United Fruit Company, Massaker von Ciénaga/Santa Marta (dieses Ereignis verarbeitete Gabriel García Márquez in seinem Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“)
  • 1948-52 Bürgerkrieg zwischen Konservativen und Liberalen, ausgelöst durch die Ermordung des liberalen Präsidentschaftskandidaten Jorge Eliécer Gaitán und seine angekündigte Agrarreform und den darauf folgenden blutigen Unruhen in der Hauptstadt (auch als Bogotazo bekannt). Die Gewalt setzte sich in den folgenden Jahren in ländlicheren Gebieten fort und ist heute als „La Violencia“ bekannt.

 

Die heute beteiligten Gruppen:

  • Die kolumbianische Polizei und das Militär,
  • die Autodefensas Unidas de Colombia (AUC), Dachverband paramilitärischer Gruppierungen unterschiedlichen Ursprungs
  • die Guerillagruppen Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia - Ejército del Pueblo (FARC-EP) und Ejército de Liberación Nacional (ELN).

Die Drogenmafia ist keine eigenständige Partei in diesem Konflikt, ist aber mit einer oder mehreren dieser Parteien verbündet, beziehungsweise hat sie ganz oder teilweise zersetzt, da die Guerilleros und Paramilitärs seit Anfang der 1980er Jahre verstärkt durch den Anbau und Verkauf von Drogen, insbesondere Kokain, finanziert werden. Seit der Zerschlagung der großen Drogenkartelle Ende der 90er Jahre sind Guerilla und Paramilitärs immer mehr in den Drogenanbau eingestiegen.

Neuere Entwicklungen

Die linksgerichteten Guerillagruppen kämpfen bis heute gegen das kolumbianische Militär. Die rechtsgerichteten Paramilitärs stehen im Konflikt mit den Guerillagruppen und haben Verbindungen zu Militär und Politik. Beide Parteien verüben auch Anschläge auf die Zivilbevölkerung und verletzen die Menschenrechte.

Es wird davon ausgegangen, dass etwa 20.000 Menschen auf Seiten der Guerilleros und - selbst nach ihrer vermeintlichen Demobilisierung - circa 8.000 bis 9.000 Menschen auf Seiten der Paramilitärs kämpfen. Manche Guerillagruppen sind so einflussreich, dass sie Teile des Landes kontrollieren. Nach eigenen Aussagen handelte es sich dabei Anfang der 2000er-Jahre um die Hälfte des Territoriums. Mittlerweile kontrollieren sie deutlich weniger Gebiete. In den Grenzgebieten zu Ecuador, Venezuela und Panama, in denen besonders viel Koka angebaut wird, sind die Guerilleros aber noch immer stark vertreten.
Die Paramilitärs werden von Teilen des kolumbianischen Militärs geduldet und zum Teil sogar unterstützt. Der Abschlussbericht der Sonderstaatsanwaltschaft für Frieden und Gerechtigkeit nennt als Auftraggeber der paramilitärischen Verbrechen auch Senatoren, Mitglieder des Repräsentantenhauses, Gouverneure, Bürgermeister und Stadträte.

1996–2002

Unter Präsident Andrés Pastrana (1998–2002) kam es zu Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und den FARC. Im Zuge dieser Verhandlungen wurde den FARC ein etwa 40.000 km² großes Gebiet zur Verfügung gestellt, die so genannte Zona de distensión, das die FARC de facto vollständig unter ihrer Kontrolle hatten. In diesem offiziell als neutral deklarierten Gebiet sollten die Verhandlungen stattfinden, und das kolumbianische Parlament musste alle sechs Monate über die Verlängerung der Aufrechterhaltung der Verhandlungszone abstimmen. Während der Verhandlungen intensivierten die FARC ihre Offensiven gegen das kolumbianische Militär. Am 21. Februar 2002 erklärte die Regierung die Friedensverhandlungen für gescheitert und begann eine Militäroffensive in der Verhandlungszone. Kurz darauf wurde die Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt von den FARC entführt und erst mehr als sechs Jahre später, im Juli 2008, vom kolumbianischen Militär befreit.

2002 bis 2004

Mit der Forderung, drastisch gegen die FARC vorzugehen, gewann Pastranas Nachfolger Álvaro Uribe die Wahlen 2002. Er gab den Verhandlungskurs auf und strebte eine militärische Lösung des Konflikts an. Die USA unterstützen die kolumbianische Regierung mit Waffenlieferungen, Hubschraubern, Piloten und Ausbildern. Dies geschieht mit dem offiziellen Ziel, den Drogenanbau und die Drogenkriminalität zu bekämpfen. Eine zentrale Rolle im bewaffneten Konflikt in Kolumbien spielt der „Plan Colombia“ der kolumbianischen Regierung aus dem Jahre 1999, der es der Armee ermöglicht, im Inneren in polizeilichen Aufgabenbereichen aktiv zu werden. Die USA unterstützen den Plan Colombia mit mehreren Milliarden Dollar Militärhilfe finanziell, personell und mit Rüstungslieferungen. Ein Teil der personellen Unterstützung wird durch private Sicherheits- und Militärunternehmen geleistet. Bedeutender Bestandteil des Plan Colombia ist die Vernichtung von Drogenanbaufeldern durch Besprühung mit Pflanzenvernichtungsmitteln im Rahmen der Bekämpfung des Drogenhandels.

Die FARC wurden bis März 2008 von Manuel Marulanda, dem zu diesem Zeitpunkt ältesten Guerillaführer Lateinamerikas, kommandiert. Die Truppenstärke wurde auf ca. 20.000 Kämpfer in den 90er Jahren geschätzt; aktuellen Schätzungen (Stand: Juni 2008) zufolge ist ihre Stärke auf bis zu 8000 Mann gesunken. Auch wird ihnen vorgeworfen, Kindersoldaten zu rekrutieren, da sie angeblich zunehmend Schwierigkeiten haben, Erwachsene für ihren Kampf zu begeistern.

Die FARC finanzieren sich hauptsächlich aus Lösegeldzahlungen und dem Drogenhandel. Die Einnahmen werden auf jährlich über 300 Millionen US-Dollar geschätzt, andere Quellen gehen von bis zu 980 Millionen US-Dollar aus. Laut Presseagenturmeldungen befanden sich im Sommer 2008 zwischen 700 und 1000 Geiseln in den Händen der FARC-Rebellen, für die sie hohe Lösegelder forderten.
Amnesty International wirft den FARC schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht vor. Zahlreiche gewählte Lokalpolitiker wurden von der Guerilla-Truppe getötet, jedoch kamen auch viele unbeteiligte Zivilisten ums Leben. Die FARC seien für einen Großteil der Entführungen verantwortlich, die im Zusammenhang mit dem bewaffneten Konflikt stehen. Bei ihren Anschlägen setzten sie unverhältnismäßig und wahllos Gewalt ein. Auch werden die FARC für das Verlegen von Landminen verantwortlich gemacht.

Álvaro Uribe hat kurz nach seinem Amtsantritt als erster kolumbianischer Präsident Verhandlungen mit den AUC aufgenommen. Im April 2003 unterzeichneten Paramilitärs und Regierung das Abkommen von Ralito, das die Paramilitärs zur vollständigen Demobilisierung bis Ende 2005 verpflichtete.


Entwicklungen 2004 bis 2007

Während des 2004 offiziell gestarteten und später verlängerten Demobilisierungsprozesses wurden laut Angaben des UNHCHR bisher über 14.000 AUC-Kämpfer entwaffnet. Eine sinkende Präsenz der AUC in ihren Einflussgebieten konnte allerdings bisher nicht beobachtet werden. Außerdem kritisieren Beobachter, dass bisher hauptsächlich veraltete und nicht funktionsfähige Waffen abgegeben wurden.

Rechtliche Grundlage für die Demobilisierung ist das Ley de Justicia y Paz (Gesetz über Gerechtigkeit und Frieden), das in Kolumbien kontrovers diskutiert wurde, da es Straffreiheit für Ex-Paramilitärs vorsieht. Mehrere einflussreiche Drogenhändler versuchten daraufhin, sich als Paramilitärs darzustellen, um Strafverfolgung und eine eventuelle Auslieferung an die USA zu vermeiden. Da die AUC selbst in den Drogenhandel verwickelt sind, ist es schwierig, bei der Wiedereingliederung ehemaliger Kämpfer zwischen Delikten, die unter die Amnestieregelung fallen, und solchen, bei denen dies nicht der Fall ist, zu unterscheiden. Auch im Hinblick auf die rechtlichen und finanziellen Ansprüche, die Ex-Paramilitärs im Gegensatz zu ihren Opfern geltend machen können, wurde der Demobilisierungsprozess im In- und Ausland heftig kritisiert.

Viele Kritiker befürchten, dass die Demobilisierung nur oberflächlich ist und die Paramilitärs mit mafiaähnlichen Strukturen im Bereich der organisierten Kriminalität weiterbestehen und insbesondere weiterhin Einfluss auf die Politik nehmen könnten.

Verschiedene Indizien weisen darauf hin, dass diese Kritik berechtigt ist. Der AUC-Kommandant Vicente Castaño äußerte 2005, die AUC kontrollierten etwa ein Drittel des kolumbianischen Kongresses.

Im April 2006 enthüllten kolumbianische Medien einen Skandal um den kolumbianischen Inlandsgeheimdienst DAS. Demzufolge war das DAS völlig korrumpiert und arbeitete sehr eng mit verschiedenen paramilitärischen Gruppen zusammen.

Aus einem Bericht einer Abteilung der kolumbianischen Staatsanwaltschaft geht hervor, dass 3700 ehemalige Paramilitärs, die sich zwischen 2003 und 2006 unter den Schutz des Sondergesetzes Ley de Justicia y Paz gestellt hatten, insgesamt etwa 25.000 Morde eingestanden haben, die sich über einen Zeitraum von etwa 20 Jahren verteilten, sowie das Verschwindenlassen von 2.251 weiteren Opfern und die Entführung von 831 Menschen. Durch deren Angaben haben 2100 Gräber mit den sterblichen Überresten von 2562 Menschen gefunden werden können. Aus den Aussagen gehe auch hervor, dass Polizei- und Militäreinheiten Massaker an der Zivilbevölkerung in Auftrag gegeben und die AUC auch aktiv bei den Mordaktionen unterstützt haben.

Im Februar 2005 begannen die FARC mit militärischen Offensiven im Südwesten Kolumbiens. Viele Beobachter werteten dies als ein Indiz für die Wiedererstarkung der FARC und das Ende ihrer strategischen Rückzugsphase. Sie vermuteten, dass die FARC mit dieser offensiven Taktik die Wiederwahl des damaligen Präsidenten Uribe im Jahr 2006 verhindern wollten.

Am 6. Dezember 2006 erklärten die FARC der ELN (Ejército de Liberación Nacional) den Krieg, nachdem die ELN mit der Regierung über einen Friedensschluss verhandelte und damit nach Aussagen der FARC gemeinsame revolutionäre Ziele verriet. Hinter dem Konflikt wird ebenfalls eine Auseinandersetzung um ölreiche Gebiete, sowie Gebiete zum Drogenanbau und Handel angenommen. Die FARC starteten eine systematische militärische Kampagne in der über 500 Guerilleros ums Leben kamen. Tausende Einwohner flohen vor dem Konflikt.

2008-2010

Am 10. Januar 2008 wurden Clara Rojas, die im Februar 2002 gemeinsam mit Íngrid Betancourt entführt worden war, und die am 10. September 2001 entführte damalige Kongressabgeordnete Consuelo González nach Vermittlungen durch den venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez von den FARC freigelassen.

Am 4. Februar 2008 kam es in Kolumbien zu landesweiten Protesten gegen die FARC. In Bogotá beteiligten sich nach Polizeiangaben mehr als eine Million Menschen an der Protestaktion. Auch in anderen Städten in Kolumbien und im Ausland fanden Demonstrationen und Kundgebungen statt. In Madrid beteiligten sich mehr als 10.000 Menschen an der Veranstaltung.

Am 1. März 2008 wurden bei einem Einsatz kolumbianischer Truppen auf ecuadorianischem Hoheitsgebiet der Sprecher des Oberkommandos der FARC, Raúl Reyes, sowie 23 weitere Menschen getötet. Dies führte zu einer diplomatischen Krise zwischen Kolumbien einerseits und Venezuela und Ecuador andererseits.

Wenige Tage später wurde bekannt, dass ein zweites Führungsmitglied der FARC, José Juvenal Velandia, bekannt unter dem Namen Ivan Rios durch einen seiner Mitkämpfer umgebracht worden war, um das von den Behörden ausgesetzte Kopfgeld zu erhalten.

Am 26. März 2008 starb der Gründer und bis dato Chef der FARC, bekannt unter seinen Kampfnamen Manuel Marulanda oder Tirofijo, im Alter von 78 Jahren, nach Angaben der FARC an den Folgen eines Herzinfarktes. Sein Nachfolger wurde Alfonso Cano.

Am 18. Mai 2008 stellte sich die hochrangige Guerillera Elda Neyis Mosquera, auch bekannt als Nelly Avila Moreno bzw. unter ihrem Kampfnamen Karina, den kolumbianischen Streitkräften. Sie führte die Frente 47 und wird unter anderem der Ermordung des Vaters von Präsident Álvaro Uribe beschuldigt. Auch ihr Sicherheitschef soll sich laut Angaben von Verteidigungsminister Juan Manuel Santos gestellt haben. Präsident Álvaro Uribe habe für ihre Sicherheit garantiert. Die Aufgabe Karinas gilt als ein Indiz dafür, dass sich Teile der FARC-Führung nach dem Bombardement auf das FARC-Camp am 1. März, bei dem der Vize Raúl Reyes getötet wurde, und dem fast gleichzeitigen Verrat an Ivan Rios in Auflösung zu befinden scheinen.

Am 2. Juli 2008 befreite kolumbianisches Militär Ingrid Betancourt, drei US-Bürger und elf kolumbianische Militärs aus den Händen der FARC. Die Befreiungsaktion fand ca. 72 Kilometer von der Ortschaft San José del Guaviare im Südosten Kolumbiens statt.

Am 20. Juli 2008 demonstrierten über eine Million Menschen anlässlich des Unabhängigkeitstag Kolumbiens für die Freilassung der rund 700 Entführten.

Anfang Februar 2009 wurden ohne erkennbare Gegenleistung zunächst vier Geiseln, darunter drei Polizisten und ein Soldat, von der FARC freigelassen. Sie waren 2007 entführt worden. Gleichzeitig entzog Präsident Uribe der so genannten Humanitären Begleitgruppe für die Freilassung der FARC-Geiseln das Mandat für weitere Aktionen, da die Freilassungen für Propagandazwecke seitens der FARC missbraucht würden. Wenige Tage später ließen die FARC auch den 2001 entführten Ex-Gouverneur Alan Jara und den im April 2002 entführten Provinzabgeordneten Sigifredo Lopez frei. Alan Jara übte anschließend heftige Kritik an der Uribe-Regierung: Regelmäßig verhindere sie humanitäre Lösungen zur Geiselfreilassung. Auch sei nach seiner Einschätzung die FARC noch lange nicht geschlagen.

Anfang Februar 2009 meldeten indigene Organisationen die Ermordung von mindestens 27 Mitgliedern der Awá in den Gemeindebezirken Barbacoas und Ricaurte im Departamento Nariño. Sie seien vermutlich von FARC-Rebellen getötet worden. Da in diesem Gebiet neben den FARC auch die ELN und paramilitärische Gruppen einschließlich Drogenschmugglern operieren, konnte die Täterschaft nicht mit Sicherheit geklärt werden. Am 11. Februar 2009 bekannten sich die FARC zur „Hinrichtung“ von acht Mitgliedern der Awá, die sie der Kollaboration mit der Armee bezichtigt hatten.

Im Dezember 2009 gaben die FARC und die ELN in einer gemeinsamen Erklärung bekannt, dass sie die feindseligen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Organisationen beenden wollen.
Ende Dezember wurde der Gouverneur des Departement Caquetá, Luis Francisco Cuéllar entführt und Stunden später ermordet.

Entwicklungen 2010

Im März 2010 ließen die FARC den knapp ein Jahr zuvor gefangengenommenen Soldat Josué Calvo und den seit 12 Jahren in Gefangenschaft gehaltenen Unteroffizier Pablo Moncayo frei. Sie gaben bekannt, dass es keine weiteren Freilassungen ohne Gegenleistungen mehr geben werde. Für die Freilassung der nun noch 21 von ihnen festgehaltenen Polizisten und Militärs verlangen sie einen Austausch gegen Mitglieder ihrer Organisation, die in kolumbianischen Gefängnissen sitzen.

Nachdem Juan Manuel Santos zum neuen Präsidenten Kolumbiens gewählt wurde, von dem erwartet wird, dass er das harte Vorgehen seines Amtsvorgängers Uribe gegen die FARC fortsetzen wird, machte deren Anführer Alfonso Cano Ende Juli 2010 ein Angebot zu Gesprächen über ein Ende des bewaffneten Kampfes. Santos nahm dieses Gesprächsangebot "grundsätzlich an".

Im Zuge der Streitkräfteoperation Sodom wurde am 22. September 2010 der Militärchef der FARC-Rebellen Jorge Briceño, bekannt unter dem Namen Mono Jojoy getötet. Sein Nachfolger wurde Félix Muñoz.
Im November 2010 wurde nach unbestätigten Berichten das Mitglied des 30-köpfigen Führungsgremiums José Benito Cabrera bei einem Gefecht getötet.

Quelle: Wikipedia