Presseberichte Kolumbien
11.05.2016 - Regierung verstärkt Minenräumung
Geschrieben von: Blickpunkt Lateinamerika (Adveniat)   
Mittwoch, den 11. Mai 2016 um 00:00 Uhr

Kolumbiens Regierung hat neue Anstrengungen zur Räumung von Anti-Personenminen im Bürgerkriegsland angekündigt. Zum Abschluss der am Dienstag, 10. Mai 201, beendeten Expertenkonferenz "Weltweite Initiative zur Minenbeseitigung in Kolumbien" mit Fachleuten und Politikern aus über 20 Ländern in Bogotá, gab Präsident Manuel Santos eine Aufstockung von Anti-Minenpersonal bekannt. "Dieses Jahr haben wir 700 Frauen und Männer im Gelände und 5.000 in der Ausbildung", so der Politiker.

"Im nächsten Jahr werden wir 10.000 Minenräumer haben", kündigte das Staatsoberhaupt für das kommende Jahr an. Seit Beginn des Bürgerkrieges seien 11.400 Menschen durch Landminen und Sprengfallen getötet worden, über 700 Kommunen seien bis heute vermint, so Santos. In den letzten acht Jahren seien 24 Kommunen von Minensuchtrupps entmint worden. Insgesamt konnten acht als komplett entmint erklärt werden. "Es reichen Gerüchte über vermintes Land", die ein normales Leben unmöglich machten, so Santos.

Bis 2021 will Kolumbien sämtliche Sprengstoffe, Anti-Personenminen und Kriegsüberreste beseitigt haben. Die USA unterstützen die Bemühungen mit über 60 Millionen US-Dollar an die Initiative für Minenbeseitigung und technischer Hilfe für das Minenräumungsbataillon der Streitkräfte. Norwegen hat 25 Millionen US-Dollar beigesteuert, die Europäische Union überwies seit 2010 zehn Millionen US-Dollar und hat weitere vier Millionen Dollar zugesagt, so Angaben des Präsidialamtes. Kolumbien ist nach Afghanistan das am meisten verminte Land der Erde, allein 2015 wurden 26 Todesopfer vermeldet. (bb)

 

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22.02.2016 - Fahrplan für Friedensvertrag wackelt
Geschrieben von: Blickpunkt Lateinamerika (Adveniat)   
Montag, den 22. Februar 2016 um 00:00 Uhr

Der von Kolumbiens konservativer Regierung und linksgerichteter Guerillaorganisation Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia - Ejército del Pueblo (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens - Volksarmee, FARC-EP) anvisierte Fahrplan zur Unterzeichnung eines Friedensvertrages wackelt. Wie FARC-Verhandler Joaquín Gómez zuletzt erklärte würden "objektive Faktoren" vorliegen, denen zufolge der von den Konfliktparteien für den 23. März 2016 geplante Termin für ein Ende des 50 Jahre andauernden Bürgerkrieges nicht gehalten werde könne.

Auch die Regierung von Präsident Manuel Santos ließ Ähnliches verlautbaren, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters am Wochenende. "Das Datum darf kein Damoklesschwert sein, das über dem Friedensprozess in Havanna hängt", zitiert Reuters Kolumbiens Innenminister Juan Fernando Cristo. "Hoffentlich schaffen wir es bis dahin, wenn nicht werden wir uns sicherlich einige Tage mehr geben", so Cristo.

Bisher nicht gelöste Punkte sind die von der Guerilla geforderte Einrichtung von "Friedenszonen", in denen die Rebellen Verwaltung und Wirtschaft vorstehen, was von Kolumbiens Armee abgelehnt wird. Uneinigkeit besteht auch über die Frage, ob der Friedensprozess in einem landesweiten Referendum zum Friedensvertrag mündet, so wie es die Zentralregierung anstrebt, oder in einem breit angelegten Verfassungsprozess, wie es die FARC vorschlagen. (bb)

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15.02.2016 - Revolutionär und Priester - 50. Todestag von Camilo Torres
Geschrieben von: Blickpunkt Lateinamerika (Adveniat)   
Montag, den 15. Februar 2016 um 00:00 Uhr

1966 kam der kolumbianische Priester, Befreiungstheologe und Guerillero Camilo Torres bei einem Gefecht mit Regierungssoldaten ums Leben. Bis heute gilt er in Kolumbien als wichtige Symbolfigur.

Der Priester Camilo Torres berief sich auf Jesus, als er im Juni 1965 seine Soutane gegen die Partisanen-Uniform tauschte, um den Kampf gegen die "Oligarchien" in Kolumbien ausweiten zu können: "Die Revolution ist eine Pflicht des Christen, wenn sie die einzige [...] Möglichkeit ist, die Liebe zu allen durchzusetzen." Torres wollte politische Theologie nicht nur verkünden; es drängte ihn zur Tat. Zuletzt ging er den Weg der revolutionären Gewalt und schloss sich den Guerilleros in den Bergen an. Am 15. Februar 1966 wurde Torres bei seinem ersten Gefecht von Regierungssoldaten getötet.

Um mit seiner Einheitsfront, der von ihm gegründeten Frente Unido, einen Machtwechsel zu erzwingen, hatte der militante Sozialreformer im März 1965 ein zündendes Manifest, die "Plataforma", in die Öffentlichkeit geworfen - für die Verteidiger des alten Systems eine Brandfackel. Unter den reformwilligen Kräften erntete die "Plataforma" anfangs begeisterten Zuspruch, von den Kommunisten bis zu den Christdemokraten. Doch schon bald bröckelte die Gefolgschaft des Revolutionärs.

Kompromisse waren nicht seine Stärke. Der Sozialwissenschaftler war auch niemand, der sich mit Analysen und Zahlenkolonnen begnügte. Er war ein Seelsorger, dem es um den Menschen ging. Als er nach einer Studienzeit im Ausland 1959 heimkehrte, befand sich Kolumbien in bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen. Fidel Castro hatte in Kuba die Macht erobert und begann, ein sozialistisches Modell zu verwirklichen - ein Muster- oder Schreckensbild für den Subkontinent. Torres wurde Studentenpfarrer und Dozent der sozialwissenschaftlichen Fakultät an der Nationaluniversität in Bogota. Sein Seelsorgeamt musste er bald aufgeben, weil er gegen die Exmatrikulation von marxistischen Studenten protestierte.

Vorwürfe gegen Torres' Institut

Torres' Institut unterhielt ein Versuchsgut, an dem junge Bauern zu Leitern von Agrargenossenschaften ausgebildet wurden. Bald wurde der Vorwurf gegen Torres laut, das Projekt diene der Ausbildung von Guerilla-Kämpfern. Tatsächlich wuchs in ihm ein rebellischer Geist, der durch den persönlichen Umgang mit landlosen Campesinos ständig neue Nahrung erhielt. Das Jahr 1965 wurde zum Höhepunkt seiner radikalisierten Agitation. Vor Studenten konnte er simple Parolen einhämmern: "Nicht einen Schritt zurück! Nieder mit dem Yankee-Imperialismus! Es lebe die Revolution!"

Den Bischöfen wollte er vorschreiben, auf die Bekenntnisschulen zu verzichten und den gesellschaftlichen "Pluralismus" zuzulassen - unter Berufung auf den Geist des Konzils. Besonders geißelte der Episkopat Torres' sozialistischen Eigentumsbegriff: Einen Irrtum begingen diejenigen, "die das Eigentum über den Boden de jure den Bauern zusprechen, nur weil sie ihn bearbeiten".

Nachdem ein Sternmarsch auf die Hauptstadt niedergeknüppelt worden war und Torres selbst nur mit Mühe sein Leben hatte retten können, floh er im Herbst zu kommunistischen Freischärlern. Aus den Bergen meldete er sich im Januar 1966 noch einmal zu Wort: "Das Volk ist verzweifelt und entschlossen, sein Leben dafür aufs Spiel zu setzen, dass die kommende Generation von Kolumbianern nicht eine Nation von Sklaven ist."

Mythos des bewaffneten Priesters

Torres wurde oft mit "Che" Guevara verglichen, wurde zum Mythos des ersten Priesters, der sich dem bewaffneten Widerstand gegen "strukturelle Gewalt" anschloss. Guerillero-Priestern war er Vorbild. Fidel Castro beutete seinen "Fall" propagandistisch aus als "Symbol für die revolutionäre Einheit der Völker Lateinamerikas". Gerechter wurde Torres' Tragik der Nachruf der größten Tageszeitung Kolumbiens: "Unglücklicherweise führte ihn gerade seine Berufung zur Hingabe, die großzügig und selbstlos war, zu den höchsten Extremen."

Medienberichten zufolge wurden in Kolumbien vor einigen Wochen die mutmaßlichen sterblichen Überreste des Revolutionärs gefunden. Derzeit wird versucht, anhand von DNA-Analysen zweifelsfrei zu klären, ob die exhumierten Überreste tatsächlich die von Torres sind. Die Suche nach seiner Leiche hatte Kolumbiens Staatspräsident Juan Manuel Santos kürzlich angekündigt. Die symbolische Geste 50 Jahre nach Torres' Tod wurde als ein Versöhnungsangebot an die ELN-Rebellen gewertet, deren Mitglied er war.

Quelle: KNA, Autoren: Anselm Verbeek und Tobias Käufer

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