Presseberichte Kolumbien
20.02.2011 - Gottesdiener auf der Flucht
Geschrieben von: Domradio.de   
Sonntag, den 20. Februar 2011 um 06:03 Uhr

Gewalt macht Kolumbiens Kirche den Alltag schwer

Der junge Pfarrer hatte keine Chance: Mit einem gezielten Kopfschuss streckte der Killer den 26-jährigen Luis Carlos Orozco in Rionnegro nieder. Die blutige Tat in der Nähe der Millionenstadt Medellin vor genau einer Woche war beileibe kein Einzelfall: Seit 1984 zählt die Kolumbianische Bischofskonferenz 75 ermordete Geistliche.

Schon seit Jahren erhalten Bischöfe deshalb eine Sicherheitseskorte, wenn sie sich auf den Weg zu öffentlichen Auftritten machen. Das Klima für die Gottesdiener ist in Kolumbien in den vergangenen Jahren noch einmal schlechter geworden. Vor wenigen Tagen räumte der Vorsitzende der Kolumbianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Ruben Salazar, in einem Interview mit der Tageszeitung „El Tiempo“ ein: „Wir mussten einige Pfarreien verlegen. Zudem mussten Pfarrer das Land verlassen, um im Ausland Schutz und Sicherheit zu finden.“ Besorgt registriert die Spitze der kolumbianischen Kirche, dass immer mehr Pfarrer das Land verlassen müssen, weil sie in der Heimat keinen ausreichenden Schutz erhalten.

Zahlreiche Drohungen und Repressalien gehen laut Salazar auf das Konto der Drogenmafia oder des illegalen Bergbaus. Zudem gebe es Hinweise darauf, dass auch offizielle Behörden, die die Geldwäsche unterstützten, Druck ausübten.

Nach offiziellen Angaben operieren in 16 der 32 kolumbianischen Departements sieben illegale bewaffnete Gruppierungen. Einige von ihnen stammen aus früheren paramilitärischen Verbänden, die nun für die Drogenkartelle arbeiteten. Sie sind in der Mehrzahl für die Drohungen gegen Priester verantwortlich, die das Treiben der kriminellen Banden öffentlich machen.

Rechte Gewalt

Gewalt kommt neuerdings von rechts. Nachdem die Regierung in Bogota den Terror der linksgerichteten Guerillaorganisation FARC mit aller Härte bekämpfte, sicherten sich die ultrarechten paramilitärischen Verbände ihren Platz im entstandenen Machtvakuum. Ihnen geht es vor allem um den Ausbau und die Kontrolle ihrer Marktanteile im milliardenschweren Drogenhandel. Mutige Priester, die sich ihnen in den Weg stellen, stören da nur. Reichen Morddrohungen nicht aus, wird geschossen.

Die Repressalien haben auch politische Hintergründe. Der Versuch der Regierung, den von paramilitärischen Verbänden vertriebenen Binnenflüchtlingen ihr Land zurückzugeben, stößt auf erbitterten Widerstand der kriminellen Banden. Mit gefälschten Dokumenten versuchen sie, die Ländereien für sich zu beanspruchen - und finden offenbar genug Helfer in der Justiz. „Die Korruption bringt unser Land noch um“, kritisiert Salazar die Unfähigkeit des Staates, gegen Bestechlichkeit vorzugehen.

Die Kirche unterstützt entsprechende, von Staatspräsident Juan Manuel Santos forcierte Gesetze als richtige Schritte hin zu Versöhnung und Gerechtigkeit. Doch mit ihrem Engagement im Friedensprozess stößt sie an Grenzen. Die Mafiabanden „Los Urabenos“, „Los Paisas“ und „Los Rastrojos“ seien zwar gewillt, sich „sich dem Rechtsstaat zu unterwerfen“, so Bischof Julio Cesar Vidal von Monteria. Die Hauptstadt der Provinz Cordoba gilt als Hochburg der paramilitärischen Gewalt. Die Zentralregierung aber lehnt Gespräche darüber ab: „Mit Terroristen verhandeln wir nicht“, erklärte Innenminister German Vargas. Für Mitarbeiter der Kirche werden die unruhigen Zeiten in Kolumbien noch länger andauern. Wann es den ermordeten Geistlichen Nr. 76 geben wird, ist wohl nur eine Frage der Zeit.

 
16.02.2011 - Tausende Kinder sind Opfer des bewaffneten Konflikts
Geschrieben von: Blickpunkt Lateinamerika (Adveniat)   
Freitag, den 18. Februar 2011 um 06:54 Uhr

Anlässlich des "Internationalen Tages der Ausnutzung von Kindern in bewaffneten Konflikten“, der jedes Jahr am 12. Februar begangen wird, wurde ein Bericht veröffentlicht, der die Situation von Kindern in Kolumbien und Kongo als besonders gefährlich einschätzt.

Das "Internationale Tribunal über von Krieg und Armut betroffene Kinder" hat Daten aus den Jahren 2009 und 2010 ausgewertet. Demnach sind in Kolumbien 90.000 Menschen Opfer des bewaffneten Konflikts geworden, die Zahl der betroffenen Kinder wird auf 9.000 geschätzt. Eine genaue Opferzahl könne nicht ermittelt werden. Nur 2.500 Fälle sind bestätigt worden. Ehemalige Armee- und Guerillaangehörige betonten jedoch immer wieder, dass Hunderte von Leichen in Flüsse oder Massengräber geworfen oder eingeäschert werden.

Zwangsadoption nach dem Tod der Eltern

Bedenklich sei zudem die Tatsache dass Kinder, deren Eltern von Paramilitärs umgebracht worden sind, von Unbekannten oder von Guerilla-Mitgliedern adoptiert würden. Zwei derartige Fälle habe die kolumbianische Justiz nachweisen können und in einem Fall ein Kind wieder in seine Familie zurückgeben können, so die Studie.

Als besonders schweres Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurde dabei der Mord an einer Vierzehnjährigen und ihren beiden jüngeren Brüdern hervorgehoben. Die Jugendliche war vergewaltigt, ermordet und in ein Massengrab geworfen worden, später wurden auch ihre Brüder umgebracht und verscharrt. Die Justiz geht aufgrund der Spuren an Rucksäcken von Armeeangehörigen davon aus, dass das Mädchen möglicherweise von sieben Soldaten vergewaltigt worden war, ehe sie umgebracht wurde.

Derartige Morde seien Beweis dafür, dass nicht nur Paramilitärs Menschenrechtsverletzungen begehen, unterstreicht der Bericht.

Weltweit sind rund 300.000 bis 500.000 Kinder in 35 Ländern von bewaffneten Konflikten betroffen. Schätzungen zufolge gibt es derzeit zwischen 11.000 und 14.000 Kindersoldaten. Abgesehen von ihrer meist gewaltsamen Rekrutierung seien diese Kinder häufig Entführungen, Vertreibung und anderen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. (bh)

 
14.02.2011 - Verhaltene Freude über Freilassung von Farc-Geiseln
Geschrieben von: Wiener Zeitung   
Montag, den 14. Februar 2011 um 10:36 Uhr

Kolumbiens Präsident spricht von Inszenierung

São Paulo/Bogotá. Wieder einmal keimte Hoffnung auf in Kolumbien. Nach Monaten des Schweigens hatte die marxistische Guerilla Farc im Dezember vergangenen Jahres die Freilassung einer Gruppe von sechs Geiseln angekündigt. Vorausgegangen waren intensive Verhandlungen hinter den Kulissen, in die auch Venezuelas Staatschef Hugo Chávez eingespannt war. Seit Mittwoch vergangener Woche kamen vier Geiseln in Freiheit, zwei Stadträte, ein Marinesoldat und ein Polizist. Doch bis zum Abschluss kam die Aktion nicht.

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