Presseberichte Kolumbien
05.12.2014 - Kolumbiens langer Weg zum Frieden
Geschrieben von: Blickpunkt Lateinamerika (Adveniat)   
Freitag, den 05. Dezember 2014 um 00:00 Uhr

Einer der ältesten Konflikte der Welt wird womöglich bald beendet. Beobachter hoffen auf eine Einigung zwischen Kolumbiens Regierung und der Rebellengruppe FARC. Doch ein Friedensvertrag wäre nur der erste Schritt.

Wie integriert man Menschen, die mit einer Waffe in der Hand aufgewachsen sind und weder Schreiben noch Lesen gelernt haben? Und wie reagiert eine Gesellschaft, wenn sie die Menschen, die ihnen Land, Geld und Angehörige genommen haben, eingliedern soll?

Das sind nur zwei der vielen Fragen, denen sich Kolumbien wahrscheinlich schon bald stellen muss. Seit zwei Jahren verhandeln die Regierung und die FARC-Guerilla in Kubas Hauptstadt Havanna über einen Friedensvertrag. Zwischenzeitig wurden die Gespräche wegen andauernder Konflikte unterbrochen. Doch mittlerweile habe eine entscheidende Phase begonnen, sagt Hubert Gehring von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kolumbien.

Jetzt stehen zwei der kritischsten Punkte zur Debatte: Wie sollen ehemalige FARC-Kämpfer integriert werden und wie die unzähligen Opfer des Konflikts entschädigt? "Jetzt ist der Moment. Wenn bei diesen Themen ein Übereinkommen gefunden wird, dann bin ich sehr optimistisch, dass es bald zu einer Lösung kommen wird", sagt Hubert Gehring.

Ex-Rebellen erhalten psychologische Unterstützung und Ausbildung


Hauptverantwortlich für die Demobilisierung ehemaliger Kämpfer ist die Kolumbianische Gesellschaft für Reintegration (ACR), die zu 95 Prozent von der Regierung finanziert wird. Im vergangenen Jahr hat sich diese um rund 29.000 Personen gekümmert. Psychologische Unterstützung, Schulbildung und Unterstützung bei der Berufsausbildung, das sind die drei Hauptfelder der Organisation.

Doch was, wenn sich diese bei einem positiven Ausgang der Friedensgespräche auf einen Schlag um die von der Regierung geschätzten noch rund 10.000 aktiven Rebellen kümmern müsste? "Die kolumbianische Regierung ist bereit", sagte der damalige ACR-Direktor Alejandro Eder der BBC bereits im Oktober 2013. So verfüge die Organisation über einen Notall-Reaktions-Plan und könne jederzeit bis zu 40.000 ehemalige Kämpfer in ihr Programm aufnehmen.

Doch damit ist zunächst nur die halbe Arbeit getan. Die größte Herausforderung ist derzeit wohl, die breite Unterstützung der kolumbianischen Gesellschaft zu erhalten. Das Gelingen der Integration hänge von Unternehmern ab, die Arbeitsplätze anbieten und von der Bereitschaft der Kolumbianer, ehemaligen Kämpfern eine zweite Chance zu gewähren, bekräftigt Eder.

Kolumbien ist polarisiert


Doch Kolumbiens Gesellschaft ist gespalten. Das zeigte sich auch bei den letzten Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2014. Juan Manuel Santos gewann diese mit einer knappen Mehrheit von 51 Prozent im zweiten Wahlgang. Die Wahlbeteiligung lag bei lediglich 47,89 Prozent. Das wichtigste Thema im Wahlkampf waren die Friedensgespräche. So entschieden die Kolumbianer damals nicht nur über ihren Präsidenten, sondern auch über den Fortlauf der Verhandlungen mit der FARC. Der damalige Herausforderer Óscar Zuluaga wollte im Gegensatz zu Santos einen härteren Kurs gegen die FARC einlegen.

"Wenn sich die kolumbianische Opposition nicht jetzt mit der Regierung an einen Tisch setzt, sehe ich eine gewisse Gefahr, dass der Friedensprozess letztendlich nicht funktionieren wird", sagt Hubert Gehring. Genau jetzt sei der Moment, an dem sich beide Seiten dazu durchringen müssten, den Weg gemeinsam weiter zu gehen, ergänzt er.

Internationale Unterstützung


Da bisher jedoch wenig auf eine Annäherung der politischen Konkurrenten hinweist, sei vor allem die Unterstützung von außerhalb wichtig, betont Gehring. "Dies ist ein Punkt, bei dem vor allem die EU, die USA oder Deutschland besonders helfen könnten."

Angesichts dieser Situation reist auch der deutsche Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (04. bis 07.12.2014) nach Kolumbien. Schon bei Juan Manuel Santos Besuch in Deutschland Anfang November hatte Bundeskanzlerin Merkel diesem Millionenkredite zur weiteren Unterstützung des Friedensprozesses zugesagt. Deutschland wolle den Friedensprozess aktiv unterstützen, so der Tenor.

Auf der Agenda des Bundesministers Gerd Müller steht neben den Friedensgesprächen auch das Thema Klimaschutz. Er fliegt von Kolumbien direkt nach Lima in Peru weiter, um dort an der UN-Klimakonferenz teilzunehmen.

Autorin: Greta Hamann

 
02.12.2014 - Landminen fordern viele Opfer unter Kindern
Geschrieben von: Blickpunkt Lateinamerika (Adveniat)   
Dienstag, den 02. Dezember 2014 um 00:00 Uhr

Die "Kolumbianische Kampagne gegen Landminen" (CCCM) veröffentlicht jedes Jahr einen Bericht, der die Zahl der Opfer dokumentiert. 2013 stand das lateinamerikanische Land weltweit an zweiter Stelle, was die Zahl der Kinder anbelangt, die Opfer von Landminen werden: Nur in Afghanistan waren es mehr. Die meisten Landminen gibt es in Afghanistan, Kolumbien, Syrien, Pakistan und Jemen. Weltweit wurden insgesamt 1.112 Kinder Opfer von Landminen und anderen nicht explodierten Sprengsätzen. Im Vergleich zu 2012 bedeutet dies einen Anstieg um 39 Prozent. Zur Bekämpfung des Phänomens sollen Kinder besser betreut und Aufklärungskampagnen unter der Bevölkerung auf den Weg gebracht werden. (AP) (Fides 1/12/2014)

 
26.11.2014 - Vertreibungen gehen trotz Friedensgespräche weiter
Geschrieben von: Blickpunkt Lateinamerika (Adveniat)   
Mittwoch, den 26. November 2014 um 00:00 Uhr

Vertreter indigener Völker und afroamerikanischer Gemeinden in Kolumbien haben auf die anhaltenden Folgen des Bürgerkriegs in der südamerikanischen Nation hingewiesen. Wie die Nachrichtenagentur EFE am Dienstag, den 25. November 2014, berichtet, hätten die aktuellen Friedensgespräche zwischen Staat und FARC-Guerilla nicht zu einem spürbaren Ende gewaltsamer Vertreibung geführt.

Auf einem Treffen in der Hauptstadt Bogotá hatten die Minderheitenvertreter über die aktuelle Lage beraten. "Verschiedene bewaffnete Gruppen, linke Guerillas, rechte Selbstverteidigungsgruppen, Drogenhandel und die Streitkräfte bewegen sich in der Gemeinde Embera Chami", beklagt der Indigenen-Sprecher Arbey Gañán die negativen Auswirkungen des bewaffneten Konflikts. Von den Embera, die in über 18 Departamentos verstreut leben, vor allem aber in den Pazifikküsten-Regionen Chocó, Risaralda und Valle, seien allein im Jahr 2013 über 4.000 Menschen aus ihren Gebieten vertrieben worden.

"Auch wenn Regierung und FARC von Frieden reden werden weiter Minderjährige rekrutiert, es gibt Kriegssituationen, und die Menschenrechte werden weiter verletzt", verurteilt der Embera-Sprecher die "Aufgabe" ganzer Territorien durch den Zentralstaat. Der Vertreter des Verbandes vertriebener Afrokolumbianer (Afrodes) Arnaldo Hernández kritisierte, dass afrokolumbianische Gemeinden an der Atlantikküste noch keinen Minderheitenschutz genießen würden und darum als Gruppe von kollektiven Entschädigungsprogrammen für Bürgerkrieg und Vertreibung benachteiligt seien. (bb)

 
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