Presseberichte
15.07.2015 - Indigene Bürgerkriegsflüchtlinge fordern Hilfe
Geschrieben von: Blickpunkt Lateinamerika (Adveniat)   
Mittwoch, den 15. Juli 2015 um 00:00 Uhr

Die seit einer Woche auf der Flucht vor Bürgerkriegs-Kämpfen zwischen linken FARC-Guerillas und staatlichen Armee-Verbänden vertriebenen Embera-Indigenen sind laut jüngsten Medienberichten weiter in Gefahr. In einem Appell an die Behörden rief die Vereinigung indigener Versammlungen von Antioquia zur staatlichen Hilfe für die rund 500 Menschen auf, so die Tageszeitung "El Colombiano" am Montag, 13. Juli 2015.

"Informationen unserer indigenen Autoritäten zufolge, gibt es Erkenntnisse darüber, dass vor Ort gebärende Frauen, Neugeborene und rund 200 Mädchen, Jungen und Jugendliche sind, die sich in einem unwürdigen Zustand der Enge befinden", so die Erklärung über die Lage der geflüchteten Dorfgemeinde in der Kommune Urrao im Indigenen-Schutzgebiet im Südosten des Departamentos Antioquia. Die Bewohner der Dörfer Jacinto und Santamaría seien ins Dorf Amburá geflohen, wo sie auf engstem Raum zusammenleben würden.

Gefordert wird die Entsendung von Ärzten, Lebensmitteln und das Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Armee und Guerilla. Laut des Regierungsvertreters Santiago Londoño der Departamento-Verwaltung von Antioquia "betreuen wir die Situation in der Zone mit humanitären Organisationen". Die nationale Regierungsbehörde für Opferschutz und das Programm für "Gesundheit aus der Luft" auf Departemento-Ebene leisten Hilfe. (bb)

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02.07.2015 - Umweltkatastrophe nach FARC-Anschlag
Geschrieben von: Blickpunkt Lateinamerika (Adveniat)   
Donnerstag, den 02. Juli 2015 um 00:00 Uhr

Ein Anschlag der FARC auf eine Ölpipeline zieht in der kolumbianischen Pazifikregion eine Umweltkatastrophe mit nicht kalkulierbaren Folgen nach sich. Über 1,5 Millionen Liter Erdöl sind in etliche Flüsse mit direkter Verbindung zum Pazifik geflossen und haben einen Ölteppich von rund 80 Kilometern Durchmesser gebildet. Die endgültigen Folgen für das Ökosystem werden vermutlich erst in vielen Jahren absehbar sein, Kolumbien Präsident Santos nennt es die "vielleicht größte Umweltkatastrophe des Landes". In einer Stellungnahme bedauert die FARC-Führung die "nicht gewünschten Folgen" des Anschlages.

Dazu zählen auch die immensen sozialen Folgen: wegen der Verschmutzung der Flüsse musste das größte Wasserwerk Tumacos komplett geschlossen werden und über 160.000 Bürger der Region befinden sich seit fast zwei Wochen ohne Wasser. Zur Wiederherstellung der Grundversorgung benötigen die Wasserwerke nach eigenen Angaben noch mindestens 25 weitere Tage. Obwohl der Staat versucht, die Situation mit Wassertankern unter Kontrolle zu kriegen, bat Tumacos Bürgermeister Víctor Gallo Präsident Santos einen sozialen und wirtschaftlichen Notstand auszurufen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Denn nicht nur die Wasserknappheit macht den Bewohnern der Region Angst, 75 Prozent der Bevölkerung bezieht ihren Lebensunterhalt direkt oder indirekt vom Fischfang - eine Tätigkeit, die der Ölteppich fast unmöglich macht.

Der Anschlag steht in einer seit über einem Monat andauernden Reihe von ähnlichen Anschlägen auf Infrastrukturanlagen im ganzen Land. Oft trifft die FARC mit ihren Attacken indirekt vor allem marginalisierte Teile der Bevölkerung. Die beidseitige Eskalation des Konfliktes steht damit im direkten Widerspruch zu den ideologischen Aussagen der FARC-Führung in Havanna, genauso wie die Friedensrhetorik des Präsidenten zur gleichzeitigen militärischen Offensive. In diesem Kontext ist die Gefahr von wachsendem Unmut und Unverständnis gegenüber dem Friedensprozess in der Bevölkerung groß, eine Gefahr, die den Prozess neben der militärischen Eskalation zusätzlich gefährden könnte. (jb)

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26.06.2012 - Windkraft für den Weg der Hoffnung
Geschrieben von: Main-Echo   
Dienstag, den 26. Juni 2012 um 00:00 Uhr

»Äwwer de Bischofsring küss ich nit.« Mit der ihm eigenen Direktheit hat Lorenz Krill auf die Nachricht vom hohen Besuch reagiert. Der kolumbianische Erzbischof Oscar Urbina Ortega und sein Amtsbruder Francisco Niteo Sua bestaunten am Montag die metallenen Windrädchen des 91-jährigen Goldbachers. 1500 Stück hat Krill seit seiner Pensionierung gebastelt und akkurat in seinem früheren Laden in Regalen aufgereiht.

Alle will er dem »Weg der Hoffnung« schenken.
»Für einen guten Zweck«, sagte der 91-Jährige am Montag - und gab noch 400 selbst gedrehte »Döbsche«, Holzkreisel seiner Kinderzeit, dazu.
Erzbischof Oscar und Bischof Francisco aus der Diözese San José de Guaviare, dem Guerillagebiet Kolumbiens, wollten nach ihrem Rom-Besuch bei einem Abstecher das Goldbacher Original kennen lernen. Mit dabei waren Schwester Rocio (23) und Walter Mejia (18). Die beiden jungen Kolumbianer sind in Heimen aufgewachsen, die die Aschaffenburger Stiftung »Weg der Hoffnung« für inzwischen mehr als 1000 Kinder unterhält.
Aus schlimmster Armut
Rocio kam aus schlimmster Armut bereits mit fünf Jahren in ein Kinderheim der Stiftung. Ihre alleinstehende Mutter konnte die fünf Kinder nicht mehr ernähren. Nach dem Abitur ist Rocio Franziskanerschwester geworden. Sie wolle die Liebe und Zuwendung, die sie erfahren hat, an ärmste Kinder weitergeben, sagt Rocio.
Walter wurde als zehnjähriges verwahrlostes Straßenkind an einer Straßenampel gefunden und in den Jugendbauernhof der Stiftung aufgenommen. Im August macht er Abitur. Nach dem schon jetzt absehbaren exzellenten Abschluss soll ein Ingenieurstudium folgen. »Wo wäre ich heute ohne die Hilfe aus Deutschland?«, sagt Walter. Der »Weg der Hoffnung« sei sein Zuhause. »Alles, was ich bin, verdanke ich Euch.«
Zusammen mit Schwester Rocio besucht der 18-Jährige noch vier Wochen befreundete Kindergärten, Schulen und Organisationen, um sich zu bedanken und für die Projekte der Stiftung »Weg der Hoffnung« zu werben. »Mit unseren Tänzen, dem Joropo und der Cumbia, möchten wir als Dank auch ein Stückchen der Kultur unseres Landes zu Euch bringen«, betont Schwester Rocio. Dazu hat sie von ihrem Orden eigens die Erlaubnis erhalten, das graue Habit mit dem bunten Tanzkleid zu tauschen.
Wer die tanzende Franziskanerin sehen will, kann ihre Kunst beim Pfarreifest in Mainaschaff am Sonntag, 15. Juli, bewundern. Vielleicht bringt der Schwung ihres Tanzes dann auch die dort ausgestellten Windrädchen von Lorenz Krill in Bewegung.
Gegründet hat die Stiftung »Weg der Hoffnung« der am 12. April 2006 gestorbene Mainaschaffer Pfarrer Josef Otter in der kolumbianischen Stadt Villavicencio. Otters Ziel war es, Kinder aus Elendsvierteln zu unterstützen. red


 
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